Historisches eines alten Kunsthandwerks


Das Feuerwerk! Wer hat nicht als kleiner Junge gezündelt und sich an dem einen oder anderen Feuerwerkskörper zu Silvester erfreut.
Wenn wir aber über das Feuerwerk sprechen, welches wir heute kennen, so hat diese Kunst schon eine lange Geschichte hinter sich.

Doch wenn man die Geschichte der Feuerwerkskunst betrachtet, so ist diese ein Handwerk mit allerlei Raffinessen und erfordert eine Menge Geschick im Umgang mit Pulver und anderem Material.

Die Entdeckung des Schwarzpulvers war der Beginn der Pyrotechnik und dieses schwarze Gemisch ist auch heute noch Grundlage der Feuerwerkskunst. Früher hatte es den bösen Ruf der „Quelle von Tod und Zerstörung“, doch macht es heute als Vermittler von Vergnügen und Schönheit diesen wieder gut.

Doch woher kommt das Schwarzpulver? Sicher haben die Chinesen als erstes schwarzpulverähnliche Mischungen gekannt. So besaßen sie eine Mischung aus Salpeter, Schwefel, Eisenspänen und geriebener Holzkohle, das Chinesische Feuer. Man füllte diese Mischungen in Bambusrohre und erzeugte damit Knalleffekte. Doch für die Erzeugung der heute noch gebräuchlichen Feuerwerksstücke, wie Raketen, Bomben und dergleichen, war die Entdeckung des Schießpulvers Bedingung und dies geschah in der Zeit um 850.
Das Schwarzpulver wurde in dieser Zeit hauptsächlich für militärische Zwecke in Form von Bomben und Raketen genutzt.
Vorläufer in Europa waren die Griechen mit der Erfindung des „Griechischen Feuers“. Welches aber von der Zusammensetzung her nichts mit dem Schwarzpulver zu tun hatte.
Die Araber hatten einen regen Handelsaustausch mit China und es ist wahrscheinlich, dass sie die Zusammensetzung des Schießpulvers relativ früh kannten. Sie waren es, die wohl das Wissen über die Herstellung von Schießpulver und Raketen nach Europa überbrachten.
Roger Bacon beschrieb um das Jahr 1242 bereits die Herstellung des Schießpulvers und erst um das 14. Jahrhundert kam das Schießpulver in Geschützen zur Anwendung.
Der erste friedliche Gebrauch des Schießpulvers lässt sich auf das Jahr 1379 aus Vicenza datieren, als frühe Form des Feuertheaters. Weitere aufwendig gestaltete Feuerwerke wurden in Florenz, Rom und Venedig abgehalten. Die Italiener entwickelten die ersten „Machina di fuoci“, große Feuerwerksbauten für die barocke Kunst der damaligen Zeit.
Man kann sagen, dass alle Elemente barocker Feuerwerkskunst aus Italien stammen und sich von hier in ganz Europa verbreiteten. Die grundlegenden Techniken der Feuerwerksherstellung, deren Aufbauten und Inszenierungen, sind zwischen dem 15. Und 16. Jahrhundert hauptsächlich durch Italienische Feuerwerker entwickelt worden.
Die Epoche zwischen dem 16. Und 18. Jahrhundert gilt als die Blütezeit der europäischen Kunstfeuerwerkerei.
Vor allem Fürsten und Könige der barocken Zeit ließen sich oft pompöse Feuerwerksspektakel liefern, unter Einbeziehung von Tanz, Theater, Poesie und Musik. Eine Mode war die Gestaltung der Feuerwerke als Schauspiel mit Akteuren, die Feuerwerkskämpfe oder pantomimisches Feuertheater veranstalteten. In dieser Zeit waren die Feuerwerke sehr aufwendig und vor allem kostspielig gestaltet.
Nürnberg wurde im 16. Jahrhundert zum berühmtesten Ort der Feuerwerker-Ausbildung in Europa.
Mit dem 18. Jahrhundert begann der Verfall der Kunst- und Lustfeuerwerkerei. Viele Höfe konnten sich dieses kostspielige Spektakel nicht mehr leisten und die Feuerwerke begannen einfacher in ihrer Gestaltung zu werden.
Im 18. Jahrhundert wurden Feuerwerke auch in öffentlichen Parks und Gärten dem zahlenden Publikum dargeboten. Vor allem in England, aber auch in anderen europäischen Städten wurden solche Massenveranstaltungen abgehalten. In Berlin begannen öffentliche Feuerwerke erst ab 1838 an der Spree mit „Treptow in Flammen“.
Mitte des 18 .Jahrhunderts war die Feuerwerkerei nicht mehr an das Militärwesen gebunden. Viele Privatleute errichteten nun Firmen zur Produktion von Feuerwerkskörpern für den Privatmann und für die Durchführung großer öffentlicher Feuerwerke. In Deutschland sind unter anderem die Firmen Moog, Sauer, Lünig oder später Zink zu nennen. Einige produzieren noch heute.
Mit dem 19. Jahrhundert wurde das Feuerwerk zu einem für jeden erschwinglichen populären Vergnügen. Die gewaltigen Aufbauten der damaligen Zeit waren verschwunden und es blieben eigentlich nur noch die Feuerwerkskörper an sich. Kunstfeuerwerke als Ausdrucksbilder, die einen bestimmten Sinn vermittelten, waren nicht mehr gefragt und Feuerwerke wurden nur noch zur Belustigung der Bevölkerung veranstaltet.
Dies hat sich bis heute fortgesetzt und so sieht man meist nur noch Feuerwerke, die aus Feuerwerksbomben und Römischen Lichtern bestehen. Aufwendig gestaltete Feuerwerke mit großen Lichterschriften oder gewaltigen Aufbauten gehören heute der Seltenheit an. Die Feuerwerke der Neuzeit sind heute durch das Pyromusical gekennzeichnet. Einer Multimedia-Show, gesteuert durch digitale Zündtechnik, mit der man auf eine Tausendstel-Sekunde genau zünden kann.
(Quelle: „Das Buch der Feuerwerkskunst“, Greno Verlag 1987)
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